Aufruf zum 8. März 2016

Für die Befreiung der Frauen, gegen jede Reaktion!

Am 8. März, dem internationalen Frauenkampftag, gehen weltweit hunderttausende Frauen auf die Straße, um gegen Ausbeutung und Unterdrückung, Krieg und Patriarchat zu protestieren und für eine gleichberechtigte, solidarische Gesellschaft zu kämpfen.

Uns ist dabei wichtig die Widersprüche zu erkennen und diese anzugehen. Die Unterdrückung der Frau ist ein Produkt der Klassengesellschaft, die in einer patriarchalen Form stattfindet. Im weltweit herrschenden kapitalistischen System stellt das patriarchale Verhältnis die Unterdrückung und Ungleichbehandlung an Frauen dar. In dieser kapitalistischen Gesellschaftsform gibt es eine klare geschlechtliche Arbeitsaufteilung, Frauen wird die Aufgabe der Reproduktion zugewiesen. Dieses Verhältnis hat Tradition – eine Tradition in der Frauen mit psychischer, physischer, sexueller und struktureller Gewalt konfrontiert sind. Der Antifeminismus rechter Kräfte dient der Verteidigung und Stabilisierung dieser Verhältnisse.
Daher ist es notwendig, dass wir in der BRD für die Befreiung der Frau kämpfen und eine fortschrittliche Alternative aufzeigen. Ein Beispiel hierfür ist die Frauenbefreiung in Rojava,
ein Kriegsgebiet, indem Frauen in allen öffentlichen und gesellschaftlichen Ebenen eine tragende Kraft sind.

Antifeminismus – Produkt der Rechten?

Als Antifeminismus von Rechts wird der Erhalt des Frauenbildes der kapitalistischen Gesellschaft, oder gar eine Verschärfung dessen, ein Rückschritt bezeichnet. Antifeminismus ist jedoch nicht nur ein Phänomen der extremen Rechten, sondern fest im gesellschaftlichen System verankert.

Die Frau ist nach diesem bürgerlichen Bild für die Reproduktion der Gesellschaft zuständig. Konkret bedeutet das, dass ihre Aufgaben Hausarbeit und Kindererziehung sind, um dem Mann den Rücken freizuhalten, sodass er in der direkten Produktion arbeiten kann. Wenig anerkannt sind zudem die unterbezahlten Jobs, wie Erzieherin, Krankenpflegerin usw., die ebenso der Reproduktion dienen und überwiegend von Frauen ausgeführt werden. Nach wie vor verdienen Frauen durchschnittlich weniger als Männer bei gleicher Arbeit: In der BRD beträgt der Unterschied 22%. Es kommt noch hinzu, dass in der bürgerlichen Gesellschaft die Frau als eine Ware betrachtet wird und somit z.B. ihr Körper verkauft wird oder als lebender Kleiderständer vermarktet werden kann.
Der Antifeminismus von rechts hat ein noch rückschrittlicheres Frauenbild, z.B. sollen Frauen weniger oder gar nicht an der Gesellschaft teilhaben. So muss sich die Frau bei politischen, ökonomischen und kulturellen Themen heraus halten.

Der Antifeminismus von Rechts wird von drei verschiedenen Akteuren getragen: der extremen Rechten, konservativen und rechtspopulistischen Kräften und christlichen Fundamentalisten.
Die extreme Rechte übernimmt das Frauenbild des Faschismus, d.h. die Frau steht hinter dem Mann. Sie dient lediglich als Gebärmaschine, die eine starke Familie und den „Erhalt der Volksgemeinschaft“ zum Auftrag hat. Dies stützt sich auf ein biologistisches Rollenbild, die Frau wird auf ihre körperlichen Merkmale reduziert.

Die christlichen Fundamentalisten gehen von einem ebenso konservativen Frauenbild aus. Sie berufen sich dabei auf die Bibel, wonach Frauen unrein, schlecht und rechtlos seien. Deshalb hat die Frau auch keinerlei Selbstbestimmungsrecht und wird entmündigt über ihren eigenen Körper zu entscheiden, wie z.B. bei Abtreibung oder sexueller Selbstbestimmung.
Als bedeutendste Kraft konservativer und rechtspopulistischer Kräfte ist die als „eurokritisch“ gegründete Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) zu nennen.

Die traditionelle Vater-Mutter-Kind Familie wird als „natürlichste aller Gemeinschaften“ bezeichnet, die es zu schützen gilt. Die Frau selbst gilt als genug befreit und gleichberechtigt, wenn sie die für sie bestimmte Rolle einnimmt und erfüllt.
Hingegen wird jegliche Vielfalt als „Genderismus“ verflucht und von den Rechtskonservativen als Feindbild gesehen. Auch werden Ansätze zur Befreiung der Frau auf allen Ebenen bekämpft.

Rechter Antifeminismus wird jedoch nicht nur von Männern ausgeübt, sondern auch von Frauen selbst propagiert. Ein Beispiel dafür ist Hedwig von Beverfoerde die Organisatorin der „Demo für Alle“ und Mitbegründerin der reaktionären „Initiative Familienschutz“. Sie spricht sich unter Anderem für Betreuungsgeld, gegen sexuelle Vielfalt und Selbstbestimmung aus. Durch solche Initiativen wird die Unterdrückung der Frau legitimiert und versucht Frauen besser an das kapitalistische System anzupassen und auszubeuten.

Ein aktuelles Beispiel aus Stuttgart ist die „Demo für Alle“, bei der alle Akteure zusammen auf die Straße gehen. Dabei geht es um einen Rückschritt – einen Rollback – hinter die wenigen Errungenschaften der Frauenbewegung, was neben den rassistischen und homophoben Elementen ihrer Hetze oft vergessen wird.

Antifeminismus ist ein elementarer Bestandteil im gesellschaftlichen Rechtsruck in der BRD und in Europa. Auch ein zentrales Element, was sich in den Diskussionen um dem Silvesterabend in Köln zeigt. Diejenigen, die sich u.a. gegen die Befreiung der Frau positionieren, sind nun dieselben die einen Pseudofeminismus an den Tag legen, um rassistische Hetze zu verbreiten und Angst zu schüren. Gewalt an Frauen ist kein Problem, das mit Geflüchteten einherkommt, sondern das tief in der Gesellschaft verwurzelt ist.

Am 15. Mai 1997 stimmte u.a. Ministerpräsident Horst Seehofer gegen die Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe. Ebendieser nutzt jetzt die Vorkommnisse in Köln, um rassistische Hetze gegen Geflüchtete zu betreiben und sich als Frauenrechtler darzustellen.

Statistiken verzeichnen bundesweit jährlich 7000 bis 8000 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung. Die Dunkelziffer ist beträchtlich höher.

Rojava, ein fortschrittliches Beispiel!

Es ist wichtig gegen die Instrumentalisierung und Unterdrückung der Frau zu kämpfen. Einen fortschrittlichen Ansatz auf diesem Weg zeigt uns die Frauenbefreiung in Rojava (Nordsyrien). Im Zuge des syrischen Bürgerkriegs 2011 wurde der nördliche Teil Syriens von den Befreiungskräften der YPG (Volksverteidigungseinheiten) und YPJ (Frauenverteidigungseinheiten) befreit. Die YPJ spielte eine zentrale Rolle bei der Befreiung der Region und ist ein wichtiger Bestandteil bei der Verteidigung gegen den IS (Islamischer Staat). Nicht nur militärisch, sondern in allen gesellschaftlichen Bereichen haben Frauen tragende Funktionen und Ämter inne. Jegliche administrativen führenden Positionen werden doppelt besetzt, wobei darauf geachtet wird, dass höchstens ein Mann dabei sein darf.

Es wurde erkannt, dass die Befreiung der Gesellschaft mit der Befreiung der Frau einher gehen muss. Daher gibt es eigenständige politische Frauenstrukturen und Frauenräte, welche die Partizipation der Frauen an allen Prozessen ermöglicht.

Zudem wurden als Schutzraum Frauenhäuser geschaffen in einer Gesellschaft, in der Frauen eine untergeordnete Rolle spielen und Gewalt an Frauen an der Tagesordnung ist. Die Gewalt an Frauen hat nach der Befreiung drastisch abgenommen. Dies hängt unter Anderem auch mit den neu geschaffenen Frauengerichten zusammen, vor denen Frauen über Gewaltdelikte an Frauen urteilen.
Im Beispiel Rojava sehen wir eine Möglichkeit der Befreiung der Frauen, die ihre Zukunft in die eigenen Hände nehmen, indem sie sich organisieren.


Ohne Organisierung keine Befreiung!

Das Beispiel in Rojava zeigt, dass es notwendig ist, sich als Frauen zu organisieren, um die eigenen Interessen erkämpfen zu können oder auch gegen diejenigen agieren zu können die sich der Frauenbefreiung entgegen stellen – seien es rechte oder bürgerliche Kräfte.
Auch hier vor Ort
müssen wir uns für unsere Rechte organisieren und kämpfen, auch wenn in diesem kapitalistischen System allenfalls gewisse Errungenschaften erkämpft werden können. Eine reale Befreiung der Frau ist jedoch in diesem System nicht möglich.
Der Kampf um die Befreiung der Frau muss mit der Befreiung der Gesellschaft einher gehen.
Daher
ist es wichtig, eigene Perspektiven aufzuzeigen, mit deren Aufbau zu beginnen und eine andere Zukunft, ohne Ausbeutung und Unterdrückung, zu erarbeiten.

Deshalb rufen wir alle dazu auf, am 8. März mit uns auf die Straße zu gehen.

Gegen rechten Antifeminismus, gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

Für die Befreiung der Frau!

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